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Vol. 28 ·No. 36 · August 30, 2026

Ein Kapitel in Vorsehung und Gnade

Erste Ausrede und Antwort

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Erste Ausflucht und Antwort

Von John MacDuff

Die Frau sagte zu ihm: "Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht mehr durstig werde und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen."

Er sagte zu ihr: "Geh, rufe deinen Mann und komm zurück."

"Ich habe keinen Mann", antwortete sie.

Jesus sagte zu ihr: "Du hast recht, wenn du sagst, dass du keinen Mann hast. Die Tatsache ist, dass du fünf Männer gehabt hast, und der Mann, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Was du gerade gesagt hast, ist ziemlich wahr."

"Herr", sagte die Frau, "ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, aber ihr Juden behauptet, dass der Ort, an dem wir anbeten müssen, in Jerusalem ist."

Jesus erklärte: "Glaube mir, Frau, es kommt eine Zeit, in der ihr den Vater weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten werdet. Die Samariter beten an, was sie nicht kennen; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt eine Zeit und ist jetzt gekommen, in der die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden, denn solche Anbeter sucht der Vater. Gott ist Geist, und seine Anbeter müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten."

Die Frau sagte: "Ich weiß, dass der Messias" (genannt Christus) „Spricht das Weib zu ihm: HERR, gib mir dieses Wasser, auf daß mich nicht dürste und ich nicht herkommen müsse, zu schöpfen! Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinen Mann und komm her! Das Weib antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann; da hast du recht gesagt. Das Weib spricht zu ihm: HERR, ich sehe, daß du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten solle. Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten, denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will haben, die ihn also anbeten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbe kommen wird, so wird er's uns alles verkündigen.„ (Johannes 4:15-25, DELUT)

Diese einleitenden Worte: "Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht mehr durstig bin und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen", haben verschiedene und fast widersprüchliche Interpretationen erfahren. Wir verwerfen sofort als unbefriedigend diejenige, die sie als Ausdruck eines kindlichen Glaubens darstellt, einer weiteren Entwicklung in den aufkeimenden Überzeugungen der Frau, die bald in vollkommenem, unerschütterlichem Glauben gipfeln sollten. Zwei andere Interpretationen scheinen allein haltbar zu sein. Ihre Antwort könnte einfach von stumpfer, unwissender Verwunderung diktiert worden sein; sie könnte der Ausdruck eines fleischlichen, sinnlichen Herzens gewesen sein, das stumpf und tot für alle geistlichen Erkenntnisse ist – unfähig, wie wir bereits gesehen haben, über irdische Dinge hinauszusteigen oder aus der erhabenen und gnädigen Erklärung des Fremden einen höheren Sinn zu ziehen als eine arme, materielle Bezugnahme auf den Brunnen zu ihren Füßen und die Ökonomie von Zeit und Mühe, die darin besteht, von der Notwendigkeit befreit zu sein, "hierher zu kommen, um Wasser zu schöpfen".

Eine alternative Interpretation steht vielleicht mehr im Einklang mit dem Charakter der Frau und dem Tenor der Erzählung, nämlich dass ihre Antwort weder von Verwunderung noch von Glauben diktiert war, sondern vielmehr ein Versuch war, durch Ausweichen und Spöttelei mit göttlichen Realitäten zu spielen – dass sie in einem sarkastischen, frivolen Geist, in einem Ton spielerischer Ironie geäußert wurde. Als ob sie gesagt hätte, um die geistliche Anwendung absichtlich zu umgehen: "Ja, wirklich, dieses mythische lebendige Wasser von dir wäre wirklich eine gute Sache! Es wäre wirklich wert, es zu kennen und zu haben. Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht mehr durstig bin und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen."

Sie hatte, es ist wahr, in einem früheren Teil des Gesprächs, ein Versprechen von besseren Dingen gegeben. Sie hatte, auf alle Fälle, den ungewöhnlichen Anstand dieses Jerusalemer Pilgers beeindruckt gezeigt und ihn erwidert. Aber der Eindruck auf ein Herz, in dem Stolz und Sünde herrschten, war nur momentan — die Welle berührte nur den lebendigen Felsen, um wieder zurückzutreten in die wirbelnden Wasser. Die alte Natur und der trotzige Ton kehren zurück und übernehmen wieder die Herrschaft. Sie verschmäht in Launenhaftigkeit eine Redeweise, die im Widerspruch zu dem ganzen Strom ihrer fleischlichen Gedanken und ihres fleischlichen Lebens steht. Sie hat keinen Glauben an, keine Geduld für, ein solches ernstes Gespräch wie dieses. Ihre Antwort ist in dem spöttischen, skeptischen, verächtlichen Geist der Spötter in der Zeit des Ezekiel: "Ach, Herr Gott, sie sagen von mir: Redet er nicht in Gleichnissen?"

Obwohl es vergleichsweise wenig wichtig ist, welche Interpretation wir wählen, neigen wir dazu, zu denken, dass die letztere am meisten mit dem unmittelbar folgenden Umgang übereinstimmt, den unser Herr für notwendig hält. Als Er so sah, dass sie mit den tiefsten Bedürfnissen ihrer Seele spielte oder zu spielen schien, greift Er zu starken Mitteln, um sie aus ihrer Apathie, Schuld und schrecklichen Gefahr zu erwecken. 'Der Wind und das Erdbeben und das Feuer' müssen 'der leise, sanfte Ton' folgen.

Er bricht daher das Gespräch abrupt ab und verfolgt ein neues Thema. Es wird nichts mehr gesagt in Verbindung mit dem schönen Gleichnis von dem Brunnen und dem lebendigen Wasser. Wenn sie nicht durch Bilder und Figuren angesprochen werden kann, wird Er zu ihrer verhärteten Gewissen durch die Verwendung von Tatsachen kommen, denen sie nicht entkommen kann. Sie kann symbolische Lehre missverstehen und falsch interpretieren, aber es kann kein Missverständnis über die strengen und traurigen Realitäten ihres eigenen Lebens geben. Er zieht ihre beherrschende Sünde ans Licht. Das figurative Gespräch plötzlich beendend, sendet Er diesen Pfeil der Überzeugung nach Hause: "Gehe, rufe deinen Ehemann und komm hierher! „und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige HERR."„ (2 Corinthians 6:18, DELUT)"

In einem leichten, prahlerischen Geist — dem Widerspiegel ihrer Persönlichkeit und Geschichte — antwortet sie, ohne jegliche Scham oder Trauer, "Ich habe keinen Mann." Oder vielleicht, unwissend über das allwissende Wesen, dem sie gegenüberstand, das dann die ausgelöschten Seiten ihres Herzens las, versuchte sie, die Wahrheit durch die Äußerung einer Lüge zu umgehen. Aber sie wurde bald überzeugt, dass Der, vor dem sie stand, einer war, 'vor dem keine Geheimnisse verborgen sind' — der Richter der Gedanken und Absichten des Herzens. In einem kurzen Satz entfaltet Er eine schreckliche Lebensgeschichte mit ihrem krönenden Akt gegenwärtiger Schuld. ''Jesus sagte zu ihr: Du hast wohl gesagt, ich habe keinen Mann, denn du hast fünf Männer gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; darin hast du wahr gesprochen."

Wir hätten denken können, dass nach diesem Ausweg unmöglich war; dass, wie der ängstliche Vogel unter dem Blick des Falken oder des Adlers zusammenzuckt, so würde diese überführte Sünderin unter den Offenbarungen jenes unendlich reinen Wesens, das aus dem tiefen Brunnen ihres befleckten Lebens die Beweise von Unreinheit und Erniedrigung hervorgezogen hatte, gezittert haben und dass sie sich, überführt und verurteilt, zu den Füßen ihres göttlichen Richters geworfen und ausgerufen hätte: "Hast du mich gefunden, o mein Feind?"

Der Pfeil mit Widerhaken konnte freilich nicht verfehlen, sein Ziel zu erreichen; aber selbst jetzt, als er ihr versengtes Gewissen durchbohrt, macht sie einen kühnen und geschickten Versuch, das Thema zu wechseln — der Prüfung zu entgehen. Dies versucht sie durch eine zweifache Täuschung zu erreichen. Die erste dieser beiden Bemühungen und die Art und Weise, wie unser Herr ihr begegnet, werden wir in diesem Kapitel untersuchen können.

Durch eine geschickte Wendung und Ablenkung bringt sie ein kontroverses Thema zur Sprache. Nur diejenigen, die an dem tatsächlichen Ort gestanden haben, mit all der alten, unveränderten Umgebung des Jakobsbrunnens, können die Szene vollständig realisieren und vor Augen malen, als sie, nach oben zu den Höhen des heiligen Berges in der Nähe zeigend, ausrief: "Herr, ich merke, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und du sagst, dass in Jerusalem der Ort ist, wo die Männer anbeten sollen." Sie hatte bereits im Kontext auf religiöse Unterschiede hingewiesen – den alten Streit zwischen Juden und Samaritanern. Sie hatte von dort zu historischen und angestammten Fragen bezüglich des Vater Jakobs übergegangen. Jetzt lädt sie zur Diskussion über den Streit zwischen den rivalisierenden Tempeln von Gerisim und Zion ein und ihren vergleichenden Ansprüchen auf höhere Heiligkeit.

Was lehrt dies; aber wie möglich ist es, flüssig über kontroverse Themen zu sprechen, spekulative Fragen zu stellen – Punkte religiöser Debatte –, sektiererische Schlachten zu schlagen, jeden Buchstaben des Parteischiboleth bis zum Tod zu verteidigen, auszurufen: "Der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn sind wir", und doch gottlose Leben zu führen. Hier war eine; nicht nur die Gesetze des Himmels und der Erde verletzend, sondern auch völlig gleichgültig gegenüber ihrer eigenen verworfenen Laufbahn; und doch, scheinbar mit der Heroik eines Märtyrers, tritt sie als Sektiererin in den Kampf ein; sie konnte leicht über halbreligiöse Fragen sprechen; sie konnte mit all dem feurigen Eifer eines Parteigängers von "unseren Vätern" sprechen und sich rühmte, eine Separatistin vom Stamm Juda zu sein.

Bild, ach! von den vielen, die noch immer in tiefster Unwissenheit über ihre eigene Schuld und Gefahr, ihre Korruption in Herz und Leben leben; die doch große Kämpfer auf irgendeinem denominationalen Schlachtfeld sind; die sich mit strenger Selbstisolation in sektiererischem Stolz und Formalismus verschanzen—die Trompete des religiösen Parteienstreits laut blasen; tapfere Athleten in irgendeiner strittigen Frage von Glaubensbekenntnis und Sekte, ihre Waffen mit unermüdlicher Geschicklichkeit spielend, solange die persönlichen und praktischen Fragen vermieden und eliminiert werden können; sehr tolerant gegenüber ihren eigenen Schwächen, aber sehr intolerant gegenüber den Schwächen und Mängeln anderer—Loyalität gegenüber der Partei, die Stelle usurpierend, die das Evangelium der Liebe zuweist, um eine Vielzahl von Sünden zu bedecken. Solches war also der erste Versuch der Frau von Samaria, sich zu entziehen.

Lassen Sie uns nun auf die denkwürdige Antwort des Erlösers hören; deren Ordnung wir, zur besseren Erläuterung der Bedeutung, etwas umstellen können. Er gibt zuerst eine mutige und entschiedene Antwort auf ihre Frage und begründet dann darauf einige große Wahrheiten, deren Trost und Zuspruch für alle Zeitalter der Zukunft bestimmt waren. Auf ihre Anfrage bezüglich der rivalisierenden Ansprüche des Berges Gerizim und Zion bekräftigt Er, ohne zu zögern, die Rechtgläubigkeit des jüdischen und die Heterodoxie des samaritanischen Gottesdienstes: "Ihr betet an, was ihr nicht wisst; wir wissen, was wir anbeten, denn das Heil ist von den Juden." Er verurteilt also unerschütterlich die Unvollkommenheit des samaritanischen Glaubensbekenntnisses—ihre Ablehnung der gesamten Sukzession inspirierter Propheten, sowie ihre partielle Duldung der halb heidnischen Zeremonien, die in den Gottesdienst des Gottes Israels auf Gerizim aufgenommen worden waren. Indem sie ihre religiösen Zeremonien den Riten von Phönizien und Griechenland anglichen, hatten sie praktisch einen Altar mit der Inschrift aufgestellt: "Dem unbekannten Gott."

Darüber hinaus war Zion die festgelegte Stadt der Festlichkeiten, wohin die Stämme hinaufziehen sollten; sie waren schuldig, unbefugt die alte historische Einheit des Gottesdienstes zu brechen. Andererseits fügt Jesus hinzu, selbst aus dem Stamm Juda, "Wir wissen, was wir anbeten." Die Juden waren die von Gott anerkannten Hüter der Wahrheit; "Ihnen waren die Orakel Gottes anvertraut." Als Abtrünnige in einem Sinne, wie die Anbeter auf Zion es von dem lebendigen Glauben ihrer Vorfahren geworden waren, bewahrten sie jedoch ihre Monotheismus sowie die alten mosaischen und levitischen Einrichtungen unversehrt und unverstümmelt. Neben dem Pentateuch verehrten sie die Autorität der prophetischen Stimmen, die von alters her den Weg für die neue Evangeliumsära bereitet hatten. Sie waren nicht durch den Baal-Kult korrupt geworden. Die Tempelhöfe waren nicht durch die Künste des Magiers und Nekromanten entweiht. Mehr noch: "Das Heil" (wörtlich im Original: "das Heil" oder, wie einige es übersetzen würden: "der Heiland", der verheißene Messias, "ist von den Juden." Von ihnen, was das Fleisch betrifft, sollte Christus kommen. Aus dem Stamm Juda, nicht von Ephraim, sollte Er hervorgehen.

Die Quelle, die für Sünde und Unreinheit geöffnet wurde, war zunächst "für das Haus David und für die Bewohner Jerusalems." Der Herr hatte Jerusalem als den Ort erwählt, an dem Er seinen Namen hinstellen wollte. Ezechiels lebendige Wasser, die ein Sinnbild der Evangeliums Gnade und Segens sind, sollten aus dem Tempel von Zion hervorgehen, um die öden Stellen der Erde zu erfrischen und zu befruchten — die moralischen Wüsten der Menschheit. Es ist nicht ohne Beachtung und Bedeutung, dass der Tempus des hier gebrauchten Wortes. Es ist nicht "das Heil wird sein", sondern "ist" von den Juden, wahrscheinlich um dem Hörer zu zeigen, dass jener Heiland oder "das Heil" bereits erschienen war, und so eine Vorbereitung für die deutlichere und unbedingtere Versicherung zu treffen, die folgt, wenn Er sich ohne Vorbehalt als der verheißene Messias erklärt.

Aber nachdem Er somit die Ansprüche Jerusalems und Zions zweifellos gerechtfertigt hat, verkündigt Er zugleich zwei Wahrheiten von weltweiter Bedeutung, die sowohl das Objekt der Anbetung als auch die Art und Weise der Anbetung betreffen. Wir können auch die Reihenfolge, in der diese in der Erzählung stehen, umkehren. Was das OBJEKT der Anbetung betrifft, so gibt Er dieser unwissenden Frau eine Offenbarung des Höchsten unter zwei verschiedenen Aspekten—

(1.) "Gott ist ein GEIST", oder "Gott ist Geist". Er mag in ihrem Fall einen doppelten Grund gehabt haben, um auf diese Weise auf die immaterielle Natur Jehovas hinzuweisen. Materielle Formen, wie wir bereits erwähnt haben, waren in der zusammengesetzten, unechten Anbetung auf Gerizim, um den Geschmack und den Neigungen der heidnischen Kolonisten entgegenzukommen, sanktioniert worden—Formen, die notwendigerweise lokalisiert waren und von denen angenommen wurde, dass sie keinen Einfluss außer in der Nähe ihres Heiligtums oder Tempels ausübten. Darüber hinaus war der reine Glaube durch die Verbindung mit diesem Materiellen und einem falschen Geistkult weiter korrupt gemacht worden. Die Anhänger Baals hatten einen Geist, der über die Szenen und Elemente der Natur—Wälder und Berge, Feuer, Luft und Wasser—präsidierte. Jesus offenbart die glorreiche Wahrheit, deren entwürdigendes Gegenstück dies letztere war.

Gott ist ein Geist. Nicht ein lokaler Gott, beschränkt auf jenen benachbarten Hügel; sondern der große, universale Gott—nicht herrschend über irgendeinen bevorzugten Ort oder Abschnitt der Erde, sondern gemäß der wunderbaren Beschreibung eines jener Psalmen, den die Samariter abgelehnt hatten: "Wenn ich in den Himmel hinaufsteige, bist du dort. Wenn ich mein Bett in der Hölle mache, siehe, bist du dort. Wenn ich die Flügel der Morgenröte nehme und mich in den äußersten Teilen des Meeres niederlasse, so wird doch deine Hand mich leiten und deine rechte Hand mich halten." Im Gegensatz zur Geistverehrung—der falschen Lehre ihrer Magier und Zauberer—stand hier die glorreiche, unsichtbare Wirklichkeit. Diese Geister, von einigen als in den Wäldern und Hainen und Bächen des Gerisim hausend oder in dämonischer Gestalt als Besitzer der menschlichen Seele vorgestellt—waren die Phantasmen ihres eigenen Gehirns, die Gestalten eines abergläubischen Wahns. Aber hier bei den Juden war der einzige wahre (der allgegenwärtige) Geist, der keiner mit Händen gemachten Tempel bedurfte.

Und doch war die samaritanische Verehrung, sei es des materiellen Symbols oder des lokalen Geistes, ein herzloses Ritual geworden. Die Religion war in den wertlosesten und entwürdigendsten Ritualismus ausgeartet—ein Rundlauf von Äußerlichkeiten, in denen wahre Verehrung, die Verehrung des Herzens und der Gehorsam des Lebens, keinen Platz hatten. Nicht so war es in der Verehrung dieses geistlichen Jehova. "Die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." So war also die Erklärung des Retters ein notwendiges Gegenmittel gegen falsche Ansichten über die große, grundlegende Wahrheit aller religiösen Glaubensbekenntnisse—die Natur des höchsten Gegenstandes der Verehrung.

Diese Frau war möglicherweise von früh auf mit einigen dieser seltsamen, übertriebenen Überzeugungen in einer Geisterwelt vertraut. Sie war von lügnerischen Propheten umgeben gewesen und hatte ihren lügnerischen Wundern Glauben geschenkt. Christus weist sie auf den wahren Geisteskult hin. "Ihr betet an, was ihr nicht kennt." — Ihr habt eine Geisterwelt und ein Traumland erschaffen, die nicht existieren. Aber ich offenbare euch jetzt die große Wahrheit, die ihr durch eure Dämonologie verdeckt und durch eure Praxis entweiht habt: "Gott ist ein Geist, UND die, die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in Wahrheit anbeten.

(2.) Er macht eine zweite und noch herrlichere — noch neuere und überraschendere Offenbarung über das Wesen und den Namen des Höchsten Wesens. Gott als ein VATER. "Der Vater." Es war ein neuer Name — eine neue Apokalypse des allmächtigen Herrschers ihres Volkes. Sie hatte gerade in sektiererischem Stolz von "unseren Vätern" und von Vater Jakob gesprochen. Im betonten Gegensatz dazu kann Jesus von dem wahren Vater sprechen — dem ewigen Vater — dem Vater seiner universalen Kirche und seines Volkes. Es war ein Name, der zwar nicht unbekannt in den Büchern der jüdischen Propheten war, aber es war ein Name, der besonders der neuen und anbrechenden Evangeliums-Dispensation angehörte. "Die Stunde (das heißt, die Evangeliums-Stunde) kommt, und jetzt ist sie da, wenn die wahren Anbeter den Vater anbeten werden."

Die Frau von Sychar hatte andere heilige Bindungen auf Erden auf schändliche Weise entehrt. Konnte keine gedämpfte Harfensaite in ihrer Seele bei der Erwähnung dieses neuen Namens zu einem alten, vertrauten Klang erwachen? War sie, so sehr sie jetzt auch entwürdigt war, nicht imstande, in den Erinnerungen an die Unschuld ihrer Kindheit die Stunde zu erinnern, als sie dieses Wort gern lispelte? Inmitten des Trümmerfeldes aller anderen menschlichen Beziehungen konnte sie nicht an den ältesten und zärtlichsten aller Namen denken und sich ihm liebevoll zuwenden?

Gott war ihr gegenüber so — Gott war ihr Vater — jener universale Geist war der universale Vater aller, die ihn im Geist und in Wahrheit anbeteten. Der Gedanke würde ihn ihr näher bringen, wie er es nie zuvor war. Er würde ihn mit einer neuen Anziehungskraft umgeben. Er würde in einem Moment viele der Falschheiten des Baal-Glaubens ablernen; und besonders seine Tendenz, den Jehovah Israels als abstoßend und furchtgebietend zu betrachten — ein Wesen des Zorns, das besänftigt werden muss, aber nicht der Liebe oder Schönheit, in dem Zuneigung und Vertrauen ruhen könnten.

Von diesem allmächtigen Vater fügt Jesus hinzu: "der Vater sucht solche, die ihn anbeten." Könnten diese Worte nicht dazu beigetragen haben, dass sie seinen neuen Namen noch mehr liebte? Der Begriff "sucht" bedeutet nicht im Sinne von 'wünscht' oder 'begehrt', sondern von suchen und finden. Es ist der Hirte, "der seine Herde sucht, die an einem wolkigen und dunklen Tag zerstreut ist." "Siehe, ich, ich selbst, werde meine Schafe suchen und sie finden." War sie nicht eine von jener zerstreuten Herde, die schlimmste entfremdete von allen? Der Hirte suchte sie — oder besser gesagt, jene alttestamentliche Figur und das Gleichnis werden durch das rührendere Evangeliumssymbol übertroffen: "Der Vater" sucht sein verlorenes Kind — ja, und der Vater wartet nicht in seinen Palasthallen auf die Rückkehr des Wanderers, sondern er geht auf seine Mission der väterlichen Liebe hinaus. Neuer und glorreichster Schritt auf der Leiter, durch den sie aus der schrecklichen Grube und dem schlammigen Erdreich heraufgeführt wurde!

'Vater, mein Vater;' 'Er sucht mich.' Dieser irdische Name, wie wir gerade gesagt haben, mag für sie eine verblassende Erinnerung gewesen sein. Einer der Felsengräber am Fuße des Gerizim mag jetzt alles gewesen sein, was daran erinnern konnte; und sie mag dankbar gewesen sein, dass der, der die Beziehung beanspruchte, nicht gelebt hatte, um es in ihrem eigenen unmoralischen Leben entehrt zu sehen. Aber die alte und geheiligte irdische Bindung kann in einer neuen und dauerhafteren Form wiederbelebt werden. Der Gott des Gerizim, der Gott Israels, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs — Er ist mein Vater. Ich kann zu ihm rufen: "Du bist mein Vater, mein Gott und der Fels meiner Errettung."

Wenn sie noch nicht in der Lage war, die selige Wahrheit zu erfassen, kam sie doch bald dazu. Vielleicht las sie viel später, nachdem dieses Gespräch vorüber war, in einem Brief von jemandem, der, wie sie selbst, ein Denkmal der erlösenden Gnade und der göttlichen väterlichen Liebe war, „und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige HERR."„ (2 Corinthians 6:18, DELUT))

Aber es ist nicht nur eine Offenbarung des höchsten Gegenstandes der Anbetung, die der Erlöser der Frau von Sychar macht. Er hat eine ebenso herrliche und wichtige Offenbarung über den ORT UND DIE WEISE DER ANBETUNG. "Jesus sagte zu ihr: Frau, glaube mir, die Stunde kommt, wenn ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet," (oder vielmehr: "nicht auf diesem Berg allein, noch in Jerusalem, werdet ihr den Vater anbeten.") Alle lokale Anbetung soll aufhören; alle alten Dinge sollen vergehen, und alle Dinge sollen neu gemacht werden. Bisher hatte Gott unter einer vorbereitenden Dispensation ein Volk für sich erwählt. Jerusalem war sein irdischer Audienzsaal, das Depot des wahren Glaubens; die mystische Wolke, das Symbol der Gottheit, hatte im Allerheiligsten innerhalb des Tempels von Zion geruht. Aber die Stunde des Evangeliums ist jetzt angebrochen, die Substanz ist gekommen, und die Schatten fliehen davon. Bald wird der symbolische Vorhang jenes Tempels zerrissen werden, was nicht nur die Abschaffung und Aufhebung aller zeremoniellen Anbetung, sondern auch das Erlöschen aller exklusiven religiösen Örtlichkeiten, privilegierter "heiliger Orte" bedeutet – die Einleitung einer Ära weltweiter Segnung – die Brüderschaft der Nationen unter dem einen universalen Geist – eine Kirche, die aus jedem Land gesammelt ist, unter einem Vater.

Der große Hirte wird nicht mehr wie früher auf den Bergen von Juda oder Israel hervorgehen, sondern mitten hinaus in die weglosen Einöden der Erde, vom fernen Osten bis zum fernen Westen, überall dort, wo die Verlorenen und die Umherirrenden zu finden sind. Und kein einziger Ort in dem ganzen gewaltigen Gebiet wird heiliger sein als ein anderer. Der Gerizim, jener berühmte "Berg des Segens", wird nun seinen Namen der ganzen Erde geben. "An allen Orten, wo ich meinen Namen anerkenne, werde ich zu euch kommen und euch segnen." Der runde Erdball, mit dem blauen Himmelsgewölbe als seinem Baldachin, wird von nun an den gewaltigen Tempel des großen Unsichtbaren und Verborgenen bilden. Das wahre und angenommene Israel – die "Vater-Anbeter" – wird in jeder Ecke der bewohnbaren Welt zu finden sein – in jenen glänzenden Klimazonen der Sonne, wo die Götzendienerei seit langem unbestritten geherrscht hat – wo die Moschee und der Pagode seit Jahrhunderten die christliche Kirche verhöhnt haben – auf den fernen Inseln des Ozeans – mitten in den Prärien und Weiden des fernen Westens, den trockenen Sanden der Tropen – oder mitten unter den Eisbergen des ewigen Winters – ja, und nicht mehr unter der prächtigen Kirche oder dem gewölbten Gang, als in der einfachen Dachkammer der Stadt, der bescheidenen Hütte des Landes, der abgeschiedenen Höhle des Berges, dem weglosen Wald des Siedlers, dem einsamen Boot oder Deck des Fischers und Seemanns, der einsamen Kammer des Armen, des Kranken, des Bettlägers, des Sterbenden –

"Überall, wo sie Dich suchen, bist Du zu finden, Und jeder Ort ist heiliger Boden."

Die Frau von Samaria wies mit dem Stolz von Sekte und Stamm auf die Örtlichkeit hin, als ob dies alles wäre. Aber in seiner kurzen Antwort verkündigt Jesus die große Wahrheit, dass die Örtlichkeit nichts ist. Das materielle Opfer war unwichtig, aber der angenehme und dankbare Duft für diesen großen Geist und Vater war der Duft eines gebrochenen Herzens und eines heiligen Lebens. Alle äußeren Symbole, Gerizim und Zion, und ihre widersprüchlichen Ansprüche, sollen in den Heiligtümern eines edleren Tempels, eines inneren Heiligtums, zusammengefasst werden: "Ihr seid der Tempel des Heiligen Geistes." "Der Tempel des Herrn ist heilig, welcher Tempel ihr seid."

Unter anderen feierlichen und dringenden Lektionen, die diese großartigen Aussprüche uns nahebringen, ist sicherlich eine die Pflicht, nicht nur den wilden Exzess religiöser Exklusivität zu mäßigen, sondern auch die Torheit, äußere Formen auf dieselbe Ebene oder Plattform mit ewigen Prinzipien des Glaubens und des Gehorsams zu stellen. Wann werden die Menschen dieses komplizierte Gerüst abbauen, das die großartigen Proportionen des Tempels der Wahrheit verdeckt und behindert? Wann wird die Sonne aufgehen, um diese Feuer unseres eigenen Anzündens zu löschen? Wann wird das Materielle dem Geistigen weichen; das Menschliche und das Zufällige dem Göttlichen und dem Ewigen? Wann werden Einzelpersonen und Kirchen, als Kinder einer erlösten Familie, in kindlichem Glauben und kindlicher Liebe kommen, um 'den Vater' anzubeten?

Was für eine andere Welt wäre dies, wenn diese zwei ewigen Worte — ewige 'Artikel' — ihre glorreichen Herrschaft ausüben und ihre grenzenlose Sendung erfüllen dürften! "Gott ist ein GEIST" — dies ist die erste und grundlegende Lehre des Missionars bei der Umstürzung aller Götzendienste und groben materiellen Formen und sinnlichen Anbetung — verlangend 'Geist und Wahrheit,' Reinheit und Ernst, die Huldigung des Herzens und die Weihe des Lebens. "Gott ist ein VATER" — dies ist die wertvolle und tröstliche Botschaft des Evangeliums an den verlorenen Sohn, den Enterbten, den Verlorenen.

Wissen wir um die Kostbarkeit – bedenken wir gleichermaßen die Feierlichkeit und den Trost dieses zweifachen Namens? Gott ist ein GEIST! Wie seelenerregend, wie ehrfurchtgebietend wäre die gewohnheitsmäßige Erinnerung an diese einfachste, aber wahrhaftig größte der elementaren Wahrheiten; dass jenes erhabene Wesen, jener große unsichtbare, unbekannte, unauffindbare, ungreifbare – überall gegenwärtig ist, unter, um, um mich herum – der Zeuge aller meiner Handlungen, mit dem Auge untrüglicher Prüfung, das die geheimen Labyrinthe meines Herzens durchforscht! "Wo soll ich hingehen vor deinem Geist, oder wo soll ich fliehen vor deinem Angesicht?"

Gott ist mein VATER! Das Gefühl der Ehrfurcht, das den höchsten Geist umgibt, schmilzt in Zuneigung. Die Wolke und die Dunkelheit lösen sich auf in einen Heiligenschein weicher Zärtlichkeit. Jener allsehende Eine ist das Urbild der teuersten menschlichen Beziehungen – der irdische Elternteil ist das schwache Abbild des himmlischen. "Der Vater" – aber es ist der Vater in Christus, dem Sohn; "Mein Vater" und deshalb "euer Vater". Nicht der Vater der universalen Menschheit, jene moderne Travestie der wahren Vaterschaft Gottes – sondern der Vater jener erlösten Menschheit, die ihren repräsentativen Ältesten Bruder jetzt vor dem Thron hat und der in einem glorreichen Satz die Bedingung und Qualifikation der Sohnschaft gibt: "So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, auch denen, die an seinen Namen glauben." "Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, du würdest von ihm erbeten haben, und er würde dir lebendiges Wasser gegeben haben."

Könnte die Offenbarung des Gottes des Christentums, des Gottes des Evangeliums, nicht weiter gehen als dies? Ja; doch ein weiterer Name und Titel des Allmächtigen, der aus dieser väterlichen Beziehung fließt, war einem dieser Apostel (der nun in die Stadt gegangen war, um Nahrung zu kaufen) vorbehalten, um ihn später den Gläubigen und der Kirche zu enthüllen. Diese Frau aus Samaria, die jetzt im Dunkeln tastet, mag auch eines Tages in seinen Briefen deren Buchstaben lebendigen Lichts gelesen haben. Damit endet die Entwicklung des göttlichen Charakters. Der Himmel kennt nichts Höheres — kann nichts Höheres geben. Der Erzengel kann nicht höher steigen. Es ist der erhabenste Ausdruck der göttlichen Vaterschaft; und Jesus überlässt es den Lippen, die wir getrost sagen dürfen, nächstbest qualifiziert nach Seinen eigenen, es auszusprechen: "Gott ist LIEBE."

Dieser helle Gipfel des Glaubens — dieser dritte und letzte Schritt auf der goldenen Leiter, mögen auch wir befähigt werden, ihn zu erreichen. Aufsteigend in der erhabenen Abstufung, möge es uns vergönnt sein, den dreifachen Namen zu erfassen — jene Trinität göttlicher Eigenschaften, mit all ihren erhebenden Motiven und ewigen Tröstungen. Das dreifache Thema der Meditation in der Kirche auf Erden wird das dreifache Thema der anbetenden Betrachtung und unsterblichen Lobes in der Kirche der Verherrlichten bilden —

Gott ist ein GEIST,

Gott ist ein VATER,

Gott ist LIEBE!

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